Wie Peter es schaffte, dass sein Weihnachtswunsch in Erfüllung ging !
Schon seit Peter ganz klein war, ist es sein größter Wunsch reiten zu gehen. Aber jedes Mal wenn er davon anfing, sagte sein Mutter "Das ist zu gefährlich! Da kann man vom Pferd fallen und sich etwas brechen. Außerdem stinkt man nach jeder Reitstunde, als hätte man sich im Misthaufen gewuzelt. Und sowieso und überhaupt ist das nur was für Kinder mit reichen Eltern." und lauter solche Sachen.
In diesem Jahr hatte Peter sich geschworen, dass sein Wunsch endlich in Erfüllung gehen müsse. "Wetten dass ich zu Weihnachten Reitstunden bekomme?" sagte er zu seinem Freund. Dann schmiedete er einen Plan.
Endlich war es so weit. "Nur noch kurze Zeit bis Weihnachten", sagte seine Mutter. "Höchste Zeit, dass du deinen Wunschzettel aufs Fensterbrett legst, damit das Christkind ihn abholen kann." Peter grinste schelmisch und begann mit der Arbeit.
Liebes Christkind, ich wünsche mir dringend neun Pferde. Ordentlich legte er den Zettel draußen vors Fenster und wartete gespannt, wie es weitergehen würde.
Schon am nächsten Morgen konnte er feststellen, dass sein Plan sich bewährte. Als er
nämlich in aller Früh das Fenster öffnete, entdeckte er etwas höchst Merkwürdiges. Da
lag ein Zettel, auf dem geschrieben stand:
BIST DU VERRÜCKT? Unterschrift: DAS CHRISTKIND
Er freute sich, nahm den Brief und schrieb einen neuen Zettel.
Und wie wärs mit einem Pferd, dass mindestens 1,92 Meter groß ist und mit dem Kopf an
der Decke anstößt? Auch diesmal ging sein Plan voll
auf. Ein neuer Christkindbrief leuchtete ihm am Morgen entgegen.
ÜBERGRÖSSEN FÜHREN WIR LEIDER NICHT stand drauf. Noch besser, dachte Peter und schrieb
den nächsten Zettel.
Ein Pferd, dass über Papas Kopf springen kann und beim Hufauskratzen die Vorder- und
Hinterhände ganz von alleine in die Höhe hält. Bevor ich es vergesse: Würde mich
freuen wenns ein Fuchs wär lautete sein Wunsch.
TIERE MIT SONDERAUSSTATTUNG NICHT LIEFERBAR.
Jetzt da Peter wusste, dass sein Plan funktionierte, war alles ganz einfach. Er ließ
sich noch ein paar Besonderheiten einfallen, und schon lief alles wie am Schnürchen. Kompakten, kleingehaltenen, unkomplizierten
Waldviertler Sturschädel schrieb er am nächsten Tag.
WEGEN DER EXTREMEN SCHNEEVERHÄLTNISSE IST DER TRANSPORT NICHT MÖGLICH hieß die Antwort,
und in diesem Stil ging es weiter.
Die Reihenfolge die Peter sich errechnet hatte, war so:
Wie wärs wenigstens mit einem verspielten Haflinger im Kindesalter inklusive großen, wohlgenährten, vollbärtigen, etwas älteren Reitlehrer?
Antwort: UND WER FÜTTERT DIE BEIDEN?
Dann zumindest eine Ziege.
Antwort: SELBER ZIEGE.
Dann bring mir einen schwarzen Hund.
Antwort: DER BRINGT FLÖHE INS HAUS.
Vier Katzen inklusive Katzenmama, die auch mit mir spielt und an kalten Tagen Tee für mich kocht.
Antwort: UND WO SOLLEN DIE SCHLAFEN?
Vielleicht eine Weihnachtsfeier in einer Pizzeria, zu der mindestens 60 Leute kommen, und bei der Engerl Bengerl gespielt wird?
Am nächsten Tag endlich geschah das, was Peter schon lange erwartet hatte. Auf dem Fensterbrett lag nämlich nicht nur die übliche kurze Antwort, sondern ein richtiger Brief - fast eine halbe Seite lang.
"LIEBER PETER", stand dort "WIE DU AUF DEM KALENDER SIEHST, IST ÜBERMORGEN WEIHNACHTEN. DA DU ES BISHER NICHT GESCHAFFT HASTMIR EINEN EINZIG VERNÜFTIGEN WUNSCH AUFZUSCHREIBEN, ERSUCHE ICH DICH HIERMIT BESCHEIDENER ZU WERDEN. LIEBE GRÜSSE. DAS CHRISTKIND
Peter wusste sofort was er zu tun hatte. Hundertmal hatte er die Worte, die er jetzt aufschrieb in Gedanken geübt.
Er nahm den saubersten Zettel den er finden konnte und verfasste den ordentlichsten Wunschzettel, den das Christkind je bekommen hatte.
Liebes Christkind, schrieb er entschuldige bitte, dass ich so unbescheiden war. Ich sehe ein, dass ich zuviel von dir verlangt habe und schwöre mich zu bessern. Darum wünsche ich mir nur ein paar Reitstunden. Ich habe nämlich gelesen, dass Reiten gar nicht so gefährlich ist, wenn man alles richtig macht. Ach ja, und was das Stinken angeht, liebes Christkind, bei uns auf der Erde gibt es Duschen und Waschmaschinen. Vielen Dank im voraus. Dein Peter
Am nächsten Morgen schlich Peter noch früher als sonst zum Fenster, weil er es vor lauter Spannung nicht mehr aushielt. Ob das Christkind ihm auch darauf antworten würde? Diesmal war das Fensterbrett aber leer. Nur ein paar Schneeflocken konnte er entdecken, denn draußen hatte es angefangen zu schneien. "Nun", fragten seine Eltern "freust du dich schon auf morgen?" "Und wie!" antwortete Peter. Mehr brachte er vor Aufregung nicht heraus.
Dann endlich war er da, der große Tag! 24. Dezember stand auf dem Kalender über Peters Bett. Peter sah das Kalenderblatt eine Weile ganz genau an und dachte an seine Reitstunden. Ob das Christkind endlich begriffen hatte?
Stunde um Stunde rückte der Augenblick näher, in dem sich alles entscheiden würde. Und dann war es soweit.
Die Tür zum Weihnachtszimmer wurde geöffnet, und Peter sah entsetzt, dass der Platz, an dem sonst die Geschenke lagen, leer war. Doch dann sagte die Mutter:
"Is Christkind hots überissen. Waunst zum Schwingenschlögl gehst, daun wern da olle Wünsche aufamoi erfüt."
Weihnacht2000 Angelika/Martina